Kröpelin „Ich trau mich das gar nicht zu sagen!...“ Jetzt wird's spannend, die Augen der 39-jährigen Anneke Jensema, leuchten, ihre Wangen glühen: „Wir haben jetzt gerade die Zahlen von März ausgewertet: plus 51 Prozent!“ Die Geschäftsführerin vom „Tourismuszentrum Mecklenburgische Ostseeküste“ spricht vom Zuwachs bei den Gäste-Buchungen für die Region, die im ersten Frühlingsmonat über den Tisch ihrer Kröpeliner Firma gelaufen sind – die meisten übers Internet.
Die gebürtige Niederländerin jauchzt vor Freude. „Im Januar und Februar lag das Plus bei ungefähr 20 Prozent. Das ist wirklich enorm, die Finanzkrise ist bei uns zur Zeit, so komisch sich das auch anhört, nur positiv zu bemerken“.
Seit 1995 lebt die Mutter von mittlerweile drei Kindern in MV und gründete im November 1997 ihr Tourismuszentrum (TMO) als Zimmervermittler und Reiseveranstalter. Nach Kröpelin kam sie, weil ihr früherer Gesellschafter hier zufällig seine Büro-Räume hatte. „Dann bekamen wir einen richtig großen Auftrag – die internationale Tagung eines Netzwerkes, das sich um die regionale nachhaltige Entwicklung kümmert. Und da brauchten wir ganz schnell Platz. Da war mein Firmen-Konzept plötzlich kein Konzept mehr und wir mussten loslegen“. So schnell, wie sie damals handelte, so schnell redet sie heute noch – in perfektem Deutsch! Dabei legt sie ganz fix und frei die Vorteile ihres Kröpeliner Sitzes dar: „Als regionaler Service sind wir für alle hiesigen Vermieter gut erreichbar, sitzen schön in der Mitte. Vor allem sitzen wir auf neutralem Boden. Wenn ich mein Büro in Kühlungsborn gehabt hätte, wäre niemals ein Vermieter aus Boltenhagen auf mich zu gekommen. Nun haben wir auch viele Vermieter, die sich zwischen den großen Ostseebädern befinden: Meschendorf, Bastorf, Börgerende, Nienhagen. Nur vom Tourismusbereich Kröpelin kann man ja zurzeit auch nicht leben.“ Aber Jensema hat eine 1-A-Adresse in der Schusterstadt: Kühlungsborner Chaussee 1a. Hört sich an wie Schlossstrasse, ist allerdings eher Hinterhof. „Ja, wir sind hier total hinter dem Schirm, aber wir haben ja unsere Besucherzentren an der Autobahn A 19 in der Raststätte Recknitz-Niederung Ost und an der A20 in der Raststätte Fuchsberg-Süd. Da greifen wir die Gäste auf, die spontan in der Region was erleben wollen.“ Da merkt man, dass Jensema nahe der Königlich Niederländischen Militärakademie in Breda Tourismus studiert hat – offenbar mit guter Strategielehre. Da wunderts auch nicht mehr, dass TMO mittlerweile zur größten Vorverkaufsstelle im Land für die Störtebeker-Festspiele geworden ist. Außerdem bieten die elf Frauen und der eine Mann um Anneke Jensema herum u.a. Wellness-, Konzert-, Schlösser-, Rad- und Angel-Reisen. Für letztere gibt es die Touristenfischereischeine und Angelkarten übrigens auch am Wochenende an der Autobahn, wenn die Ämter dicht sind, wie gestern Marianne Drabick auf dem „Vorposten A 19“ verriet. Sie vertrat die Stammcrew des Besucherzentrums, damit die Kolleginnen auch mal frei machen können.
Im Team geht es offensichtlich freundlich und fröhlich zu. Am vergangenen Donnerstag bei der regelmäßigen Ideenkonferenz der Belegschaft – neudeutsch: Brainstorming – wurde Sabine Bibow für ihr 10-jähriges Firmenjubiläum mit einer Fotocollage überrascht.
Der Kröpeliner EDV-Experte Thomas Gutteck, seit 2005 fest bei TMO dabei, kommt gut klar mit den Frauen: „Hier herrscht die klassische Rollenverteilung. Ich besorge die Getränke und bekomme dafür meinen Kaffee gebracht“, witzelt er.
„In den zwölf Jahren Firmengeschichte sind auch zwölf Kinder geboren worden“, verkündet die Chefin stolz. „Wir haben nicht nur gemeinsam die Firma aufgebaut, wir haben auch alle unsere Familien gegründet. Es macht riesigen Spaß hier. Einige arbeiten jetzt in Teilzeit, entweder ein paar Stunden weniger pro Tag oder nur dienstags, mittwochs und donnerstags. So, wie es in der Familie passt“, ergänzt die Geschäftsführerin. Jensema selbst brachte ihren Mann mit nach MV und bekam hier ihre drei Kinder. Wie passt bei ihr alles unter einen Hut?
„Klar könnte der Tag mehr als 24 Stunden haben, aber ich hab die Energie“, sagt Anneke Jensema. Und woher kommt die Kraft – von holländischem Käse? Sie lacht herzerfrischend: „Von Joghurt!“
THOMAS HOPPE